Etablierung eines Zentrums für Geriatrie im Südharz Klinikum Nordhausen

Mittwoch, 14. August 2019, 13:36 Uhr
Dr. med. Henning Freund (Foto: Dr. med. Henning Freund) Die Gruppe der über 80-Jährigen ist die am stärksten wachsende Altersgruppe in der Bevölkerung, insofern schließt das Fachgebiet Geriatrie eine Lücke im hiesigen modernen Krankenhauses der Maximalversorgung und stellt wichtige Weichen für eine wohnortnahe und fachgerechte Versorgung der altwerdenden Bevölkerung in Nordhausen und Umgebung.

In den kommenden Jahren wird die Versorgung betagter und hochbetagter Patienten noch stärker in den Fokus des deutschen Gesundheitssystems rücken, als dies in den letzten Jahren der Fall war. Die demographische Entwicklung und die damit verbundenen Herausforderungen, u. a. im Bereich der Pflegeversicherung, Stichwort „Reha vor Pflege“, erfordern eine konsequente Weiterentwicklung und Ausbau geriatriespezifischer Versorgungskonzepte im Krankenhaus- und Rehabiliationsbereich.

„In Anbetracht dieser Entwicklung ist es für das Südharz Klinikum ein folgerichtiger Schritt, mit der Etablierung eines Zentrums für Geriatrie das Leistungsspektrum zu erweitern und damit auf die Bedürfnisse der Patienten zu reagieren" erläutert Geschäftsführer Guido Hage.

Bedingt durch seine typische Multimorbidität und seine allgemeine Gebrechlichkeit (Frailty) liegen die Versorgungsbedarfe des geriatrischen Patienten an den unmittelbaren Schnittstellen zwischen Akut- und Krankenhausversorgung, Rehabilitation und pflegerischer Versorgung. Zugleich ist der im Sozialrecht festgeschriebene individuelle Anspruch auf Sicherung, Wiedererlangung bzw. Ausbau der sozialen Teilhabe des Patienten zwingend zu berücksichtigen. Hierzu leistet die Geriatrie schon heute einen entscheidenden Beitrag.

Es geht um die wohnortnahe Versorgung von geriatrischen Patienten, welche nach Akuterkrankung oft pflegefallgefährdet sind. In diesem Fall erfolgt die medizinische Betreuung durch ein geriatrisches Team, bestehend aus Ärzten, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Psychologen, Logopäden und Pflegetherapeuten, welche eine aktivierend-therapeutische Pflege (ATP-G) durchführen, um eine weitestgehende Alltagskompetenz unter Nutzung der sozialen Unterstützungssysteme zu erreichen. Deshalb gehört auch der Sozialdienst zum therapeutischen Team, um die anschließende Versorgung anzubahnen.

Der neue Chefarzt, Herr Dr. med. Henning Freund ist Autor des Fachbuches „Geriatrisches Assessment und Testverfahren“, welches 2017 in 3. erweiterter und aktualisierter Auflage (Kohlhammer-Verlag Stuttgart) erschienen ist. Des Weiteren hat Dr. med. Freund seit 2017 einen Lehrauftrag an der Universität Magdeburg (Querschnittsbereich Q7: „Medizin des Alterns und des alten Menschen“).

Vor seinem Wechsel in das Südharz Klinikum war Herr Dr. med. Freund auch Mitglied der Fach- und Prüfungskommission der Ärztekammer Sachsen-Anhalt (seit 2007) für die Gebietsbezeichnung „Innere Medizin und Geriatrie“ sowie ehrenamtlicher Richter. Des Weiteren leitete er als Chefarzt bereits 14 Jahre eine geriatrische Klinik in Sachsen-Anhalt, welche in der Focus-Bestenliste als eine der besten Geriatrien in Deutschland bewertet wurde.

Ende dieses Monats ist bereits eine überregional bedeutsame Fortbildungsveranstaltung mit der Präsidentin der Deutschen Fachgesellschaft Aktivierend-therapeutische Pflege e.V. im Südharz Klinikum Nordhausen geplant. Es haben sich bereits Teilnehmer aus der Geriatrischen Klinik des Universitätsklinikums Jena angemeldet.

Einen Schwerpunkt der geriatrischen Behandlung stellt neben der medizinischen Diagnostik und therapeutischen Betreuung (Physiotherapie, Ergotherapie, Psychologie, Logopädie) die aktivierend-therapeutische Pflege dar, was vom Klinikum als ein Qualitätsanspruch definiert wurde. Aus diesem Grund wurde die Präsidentin der Deutschen Fachgesellschaft für ATP als Kursleiterin für die 2tägige Fortbildungsveranstaltung am Südharz Klinikum gewonnen.

Von der geriatrischen Behandlung profitieren auch viele thoraxchirurgische Patienten, die oft höchstgradig Pflegefall gefährdet sind und in der Regel mehrere behandlungsbedürftige internistischen Nebendiagnosen aufweisen.
In der Pneumologie und Thoraxchirurgie des Klinikums werden auch viele ältere Tumorpatienten behandelt, insofern auch diesbezüglich eine sinnvolle Erweiterung des Behandlungsspektrums.

Zirka 30 Prozent der älteren Patienten in einer Geriatrie sind kognitiv (Hirnleistungs-) eingeschränkt. Eine weiterführende Diagnostik - auch hinsichtlich Demenz - kann somit zeitnah realisiert werden.

Wegen der sich noch im Aufbau befindlichen Bettenkapazitäten werden zunächst überwiegend postoperative Patienten, u. a. nach hüftgelenknahen Frakturen (alterstraumatologische, beispielsweise auch thoraxchirurgische Patienten) betreut.

Neben dem neuen Chefarzt werden weitere qualifizierte und erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für das Team benötigt und eingestellt. Weitere Bewerbungen sind ausdrücklich erwünscht.







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