Erste Fortbildungsveranstaltung im Zentrum für Geriatrie am Südharz Klinikum Nordhausen

Montag, 02. September 2019, 12:58 Uhr
Erste Fortbildungsveranstaltung im Zentrum für Geriatrie am Südharz Klinikum Nordhausen (Foto: SHK) In Anbetracht des demografischen Wandels war es für das Südharz Klinikum ein folgerichtiger Schritt, das Leistungsspektrum mit einer geriatrischen Abteilung zu erweitern. Die Gruppe der über 80-Jährigen ist die am stärksten wachsende Altersgruppe in der Bevölkerung, insofern schließt das Fachgebiet Geriatrie eine Lücke und stellt wichtige Weichen für eine wohnortnahe und fachgerechte Versorgung der alternden Bevölkerung in Nordhausen und Umgebung.
Um dieser Herausforderungen gerecht zu werden, ist geschultes Personal unabdingbar. Mit einer Fortbildung zum Thema „Aktivierend therapeutische Pflege“ hat das Klinikum ein wichtiges Thema aufgegriffen. Am 26. und 27. August 2019 fand demzufolge im Südharz Klinikum eine Fortbildungsveranstaltung für Ärzte, Therapeuten und vor allem für Pflegekräfte statt.

Am ersten Tag wurde durch den Chefarzt des Zentrums für Geriatrie des Südharz Klinikums Dr. med. Freund in die Thematik eingeführt und über akutgeriatrische Behandlung sowie geriatrische Frührehabilitation informiert. Die Arbeit im therapeutischen interdisziplinären Team wurde anschaulich dargestellt. Von der Ärztekammer Thüringen wurde für diese Veranstaltung Fortbildungspunkte vergeben. Am Einführungsvortrag nahmen ca. 40 Teilnehmer, nicht nur aus Thüringen, teil.
„Der ältere Patient zwingt uns auf Grund der meist vorhandenen Multimorbidität mit chronisch verlaufenden Krankheiten weniger das medizinisch Machbare, sondern das für den älteren Patienten medizinisch Sinnvolle bewusst aufzugreifen.
Dies bedeutet Lebensqualität, die häufig mit Selbständigkeit verbunden ist. So sollte immer die bedrohte Selbständigkeit bei allen medizinischen Aktionen im Vordergrund stehen.“
(Prof. Dr. Ingo Füsgen – ehemaliger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie)

Es wurde durch CA Dr. med. Freund verdeutlicht, wie das therapeutische Team mittels Testverfahren die Defizite (Fähigkeitsstörungen) der betagten oder hochbetagten Patienten als auch deren Ressourcen erkennen kann und ein Behandlungs- und Betreuungsplan erstellt wird.
Die tragenden Säulen der Geriatrie sind das interdisziplinäre Team (bestehend aus Ärzten, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden, Sozialarbeitern, Psychologen und Pflegetherapeuten), das geriatrische Assessment sowie die Teamkonferenz, in der wöchentlich jeder Patient bzgl. der Behandlungsfortschritte analysiert und der Behandlungspfad neu festgelegt wird.
„Die Selbständigkeit hängt stärker von funktionellen Fähigkeiten ab, als von medizinischen Diagnosen“ (Prof. Dr. Thorsten Nikolaus –Lehrbuchautor „Klinische Geriatrie“)
Im Rahmen der Geriatrischen Frührehabilitation erfolgt die medizinische Diagnostik, zugleich wird der Patient rehabilitiert, um die festgestellten Fähigkeitsstörungen zu behandeln. Dazu zählt ebenso eine adäquate Hilfsmittelversorgung. Durch die Mitwirkung des Sozialdienstes im therapeutischen Team soll eine Lösung angebahnt werden, welche für die Betroffenen tragfähig ist und seine Autonomie sichert.

Im anschließenden Kurs „Aktivierend-therapeutische Pflege in der Geriatrie“ waren ca. 20 interessierte Teilnehmer aus den verschiedenen therapeutischen und pflegerischen Berufen anwesend. Die aktivierend-therapeutische Pflege bildet die Grundlage der geriatrischen Pflege. Sie hat das Ziel, Pflegebedürftigkeit zu vermeiden oder zu reduzieren bzw. die größtmögliche Selbständigkeit in einem weitestgehend selbstbestimmten Alltag wiederzuerlangen oder aufrechtzuhalten. Als Dozentinnen konnten zwei ausgewiesene Expertinnen auf diesem Gebiet, welche auch das gleichnamige Lehrbuch verfasst haben, engagiert werden. Alle Teilnehmer konnten sich intensiv in Theorie und Praxis, auch im Rahmen von Selbsterfahrung, mit dem Thema auseinandersetzen. Nur durch eine entsprechend aktivierend-therapeutische Pflege durch ausreichend qualifiziertes Personal kommen die hochbetagten Patienten wieder auf die Beine und können in ihre vertraute Umgebung zurückkehren.

Die Kursreihe zur geriatrischen Pflege wird am 7. und 8. November 2019 und im nächsten Jahr am 13. und 14. Januar mit einem Bobath-Seminar fortgesetzt. Externe Teilnehmer sind dazu gern eingeladen, jedoch ist die Teilnehmerzahl begrenzt. Anmeldungen können über Frau Relius von der Pflegedienstleitung per Email (pflegedienstleitung@shk-ndh.de) erfolgen.

Auch diese Veranstaltungen werden vom Bundesverband Geriatrie zertifiziert werden.

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