Chefarzt der Allgemeinchirurgie informierte über Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse

Freitag, 06. Dezember 2019, 12:54 Uhr
PD Dr. med. H.Gebhardt (Foto: SHK) Das Bauchspeicheldrüsen-Karzinom ist die am häufigsten tödlich verlaufende Form der Krebskrankheit. Nur 28,8 Prozent aller Patientinnen und Patienten mit Pankreaskopf-Karzinom überleben die ersten fünf Jahre nach Auftreten der Krankheit. „Das ist aber schon ein großer Fortschritt. Vor 30 Jahren lag die Überlebensquote nur bei 5,1 Prozent", sagte Dr. med. Johann Hinnerk Gebhardt, Chefarzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Nordhäuser Südharz Klinikum, in seinem Vortrag „Schmerzhaft und gefährlich: Was tun bei gut- und bösartigen Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse?" am Mittwoch.

Über 150 Gäste waren in der Kantine des Klinikums erschienen, um den Ausführungen des Facharztes zu folgen.
Zunächst nannte Gebhardt interessante Fakten über das nur 150 Gramm schwere Organ, das weit hinten im Bauchraum liegt, eingebettet in den Zwölffingerdarm. So produziert die Drüse am Tag bis zu 800 Milliliter Sekret für die Verdauung der zugeführten Ernährung des Menschen. Darüber hinaus schüttet sie Insulin und weitere Stoffe aus, die für den Hormonhaushalt wichtig sind.

„Wenn dieses Sekret nicht mehr in den Zwölffingerdarm abläuft, sondern in die Umgebung austritt, wird es schwierig und es kommt zur Entzündung, zur Pankreatitis", erklärte der Mediziner. Die Ursachen dafür seien vielschichtig. Sie reichten von abrutschenden Gallensteinen, über Alkoholleiden und Autoimmunkrankheiten bis hin zu Virusinfektionen wie Mumps. Dabei würden heftige Schmerzen „die durch eine Bauchspeicheldrüsen-Entzündung hervorgerufenen Schmerzen zählen zu den stärksten, die wir kennen", so Gebhardt , Übelkeit und Erbrechen, Völlegefühl und Blähungen, Fieber und Schmerzen als Beschwerden auftreten.

„Wir unterscheiden zwischen akuter und chronischer Pankreatitis", so Gebhardt weiter. 16 von 100.000 Männern und zehn von 100.000 Frauen seien von einer akuten Pankreatitis betroffen. Die Diagnostik erfolge über Laboruntersuchungen, Ultraschall, Computertomographie, Kernspintomographie und Endosonographie. Die Therapie sei abhängig vom Verlauf und Schwere der Erkrankung. „Die meisten Fälle lassen sich mit einer Ernährungsumstellung in den Griff bekommen", sagte Gebhardt. Weitere Formen seien die konservative, die minimal-invasive und die operative Therapie. Letztere erfordere ein medizinisches Geschick und Fachwissen, so Gebhardt. Und es sei sehr aufwendig. „Im Falle einer operativen Drainage werden mitunter wiederholte, bis zu 30 Operationen erforderlich", schilderte der Mediziner. Weitere Operationsformen sei die Linksresektion, bei der ein Teil der Drüse entfernt werde, oder die Entfernung des Pankreaskopfes, die OP nach Whipple, die „Kaiseroperation in der Chirurgie", wie Gebhardt anführte.

„Damit befinden wir uns schon bei den Operationen, die wir auch in der Therapie des Pankreas-Karzinoms, „der bösartigen Erkrankung", einsetzen", führte er aus. 18 von 100.000 Personen seien in Deutschland davon betroffen, mehr Männer als Frauen (im Verhältnis 1,6 zu 1). Das Risiko steige ab dem 60. Lebensjahr an. Risikogruppen seien starke Raucher, übergewichtige Personen oder Menschen, die an einer chronischen Pankreatitis leiden. In 70 Prozent der Fällen bilde sich das Karzinom im Pankreaskopf. „Es metastasiert frühzeitig, meist in die Leber und die Lymphsysteme", verdeutlichte Gebhardt. Behandlungsformen seien insbesondere die operative Therapie aber zunehmend auch die Chemotherapie meist in Kombination mit der Operation. „Die Sterblichkeitsrate ist leider immer noch hoch. T1- oder T2-Patienten mit kleinen Tumoren können wir aber heute heilen", so der Arzt. Auch sei mittlerweile bekannt, dass Cysten der Bauchspeicheldrüsen entarten können. Entfernt man diese rechtzeitig operativ, kann das Pankreas-Karzinom verhindert werden. „Wenn Sie Oberbauchschmerzen haben, die länger als vier Wochen andauern, gehen Sie daher frühzeitig zum Arzt, vor allem, wenn Sie über 60 sind", riet der Mediziner.
Nach seinem Vortrag konnten noch Fragen gestellt werden. Dies war für einige Betroffene nicht ganz einfach angesichts der eher niedrigen Heilungschancen bei der bösartigen Erkrankung.
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