Das Perinatalzentrum am Südharz Klinikum

Mittwoch, 29. Mai 2019, 19:18 Uhr
Manchmal brauchen Kinder vor, während oder nach der Geburt besondere medizinische Versorgung. Perinatalzentren sind Einrichtungen zur Versorgung von Früh- und Neugeborenen und sind speziell darauf eingerichtet, Mutter und Kind umfassend zu betreuen.

Vor einigen Wochen rettete diese umfassende Betreuung durch die Ärzte und Schwestern im Nordhäuser Südharz Klinikum das Leben von Mutter und Kind. In der 37. Schwangerschaftswoche wurde bei der Mutter eine Ablösung der Gebärmutter festgestellt, was zu massiven Blutungen führte. Darüber hinaus war das Kind zu klein. Die Mutter befand sich in einem Schockzustand, konnte aber, wie das Kind, durch das Zusammenwirken mehrerer Fachärzte gerettet werden. Beide sind wohlauf.

Möglich war das konzertierte medizinische Handeln durch den Umstand, dass das Südharz Klinikum als Perinatalzentrum der Versorgungsstufe Level 2 anerkannt ist. Das heißt, hier ist eine Versorgung von Risikoschwangerschaften, Mehrlingsgeburten und Frühgeburten, aber auch anderer komplizierter Geburten ab einem Schwangerschaftsalter von 29 + 0 Wochen jederzeit möglich.

Die Entbindungsstation mit Kreißsaal und Operationssaal sind im Perinatalzentrum Nordhausen eng mit der Neugeborenenintensivstation vernetzt, so dass die Versorgung der kranken Kinder jederzeit auch sofort nach der Geburt erfolgen kann. Hierfür steht ein Erstversorgungsteam jeden Tag, rund um die Uhr für die kleinen Patienten bereit. Zusätzlich ist ein erfahrener Neonatologe (Facharzt für Frühgeborene) ständig in Rufbereitschaft. „Weiterhin ist bei allen geplanten Kaiserschnitten sowie allen Risikogeburten immer ein Kinderarzt anwesend”, erläutert Chefärztin Dr. Sylke Ludwig.

Auf der Neugeborenenintensivstation des Südharz Klinikums werden jedes Jahr rund 200 Früh- und Neugeborene behandelt. Dabei sind 10 - 15 Prozent der Kinder kleine Frühgeborene. Mit mehr als 10 Jahren Erfahrung als Level 2 Zentrum ist die Station hierfür speziell ausgerüstet. Die technische Ausstattung gewährleistet dabei ein hohes Maß an Sicherheit und es werden alle Möglichkeiten der modernen Medizin mit 15 Behandlungsplätzen und fünf Intensivtherapieplätzen geboten. Zusätzlich existiert eine enge Kooperation mit den Zentren in Halle, Göttingen und Erfurt, so dass auch eine Rückverlegung von Kindern zur heimatnahen Betreuung jederzeit möglich ist. Notfalltransporte und Notfallversorgungen in den umliegenden Regionen ohne kinderärztliche Betreuung gehören ebenfalls zum Aufgabengebiet des Perinatalzentrums.

Sollte eine Übernahme auf die Neugeborenenintensivstation notwendig sein, ist auch hier eine intensive Mutter-Kind oder Vater-Kind-Beziehung möglich. Eltern können und sollen ihre Kinder jederzeit besuchen und sobald es der Gesundheitszustand zulässt, sie auch regelmäßig versorgen und stillen. Ein besonderer Wert wird hierbei auf eine entwicklungsfördernde Pflege sowie auch auf entsprechenden körperlichen Kontakt („Känguruhing“) bei Frühgeborenen gelegt. Das Team aus Kinderärzten, erfahrenen Kinderkrankenschwestern, Laktationsberaterinnen, Neonatalbegleiterinnen, Physiotherapeuten sowie besonders geschulten Kinderintensivschwestern/-pfleger gibt Anleitungen und Hilfestellungen. Zusätzlich stehen in unmittelbarer Nachbarschaft der Station zwei Zimmer zur Mitaufnahme eines Elternteiles zur Verfügung. Die Unterbringung wird dabei von den Krankenkassen in vollem Umfang übernommen.

“Aber auch alle gesunden Neugeborenen auf der Wochenstation werden unterstützend durch die Kinderärzte des Südharz Klinikums betreut. Dies umfasst die Durchführung der kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchung U1 und U2 sowie das Neugeborenenscreening zur Früherkennung angeborener Stoffwechselerkrankungen. Zusätzlich erfolgen bei allen Neugeborenen eine Ultraschalluntersuchung der Hüfte sowie eine Sauerstoffsättigungsmessung (Pulsoxymetrie) zur Früherkennung angeborener Herzfehler. Bei besonderen Fragestellungen können auch Ultraschalluntersuchungen anderer Organe, wie zum Beispiel des Kopfes, des Herzens und der Nieren erfolgen. Zusätzlich werden zur ambulanten Mit- und Weiterbetreuung spezielle Sprechstunden angeboten (Herzsprechstunde: Frau ChÄ Dr. Ludwig, Entwicklungssprechstunde mit ZNS Sonographie: Frau OÄ Gerbracht-Hoffmann, Pränatale Sprechstunde: Frau ChÄ Dr. Ludwig und Herr ChA Dr. Eckert). Bei Bedarf besteht im Südharz Klinikum jederzeit die Möglichkeit der engen Zusammenarbeit mit den Medizinern der Urologie, Chirurgie, Neurochirurgie und Augenheilkunde.

Eltern, deren Kinder aufgrund bekannter Risiken wahrscheinlich auf der Früh- und Neugeborenenstation betreut werden müssen, können diese im Südharz Klinikum nach Terminvereinbarung gerne vor der Geburt des Kindes besichtigen. Auch im Rahmen der Informationsnachmittage für werdende Eltern (jeden Samstag 16:30 Uhr) kann auf Wunsch eine Besichtigung der Station erfolgen.

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