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Neues aus dem Klinikum

Intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT) hat sich in der Krebsbehandlung bewährt

Freitag, 07. April 2006, 10:22 Uhr
Prof. Dr. Dagmar Schipanski, Dr. Wolfgang Oehler (Foto: ) Prof. Dr. Dagmar Schipanski, Dr. Wolfgang Oehler (Foto: ) Wenn eine Behandlungsmethode gegen Krebs erfolgreich ist und Jubiläum hat, dann ist das eine gute Nachricht. In Nordhausen wurde jetzt der 1.000-ste Patient behandelt. Daher besuchte die Präsidentin der Deutschen Krebshilfe und des Thüringischen Landtages, Professor Dr. Dagmar Schipanski, die Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie des Südharz-Krankenhauses in Nordhausen, um sich persönlich von den Vorteilen der Intensitätsmodulierten Strahlentherapie (IMRT) zu überzeugen.

Die Klinik setzt dieses Verfahren mit großem Erfolg seit Juli 2001 zur Behandlung von Tumoren ein und gehört damit zu den deutschen Kliniken mit dem größten Erfahrungsschatz mit dieser Methode.
„In der Krebsbekämpfung nimmt die Strahlentherapie einen großen Stellenwert ein“, erklärte Dr. Wolfgang Oehler, Chefarzt der Klinik. Ein Nachteil dieser Behandlungsform war bisher die Ungenauigkeit der Strahlen, die als unerwünschte Folge auch gesundes Gewebe in der Nachbarschaft des Tumors getroffen und damit zu Nebenwirkungen geführt haben. Bei der IMRT wird im Gegensatz zu bisherigen Bestrahlungen ein virtuelles, engmaschiges Rasternetz über den tumortragenden Körperbereich gelegt. Eine Vielzahl beweglicher Lamellenblenden kann bei der Bestrahlung die Planquadrate im Rasternetz öffnen, unter denen der Tumor liegt, bzw. die über dem gesunden Bereich verschließen. Die Datenmenge, die dafür auf den notwendigen Hochleistungsrechner verarbeitet werden muss, ist vergleichbar mit der Menge, die für die Landung einer Weltraumfähre erforderlich ist.

251 Patienten mit Prostatakarzinom behandelt
Die Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie im Südharz-Krankenhaus Nordhausen setzt die schonende Behandlungsform mit IMRT seit Juli 2001 zur Behandlung von Krebspatienten ein. So wurden bisher 251 Patienten mit Prostatakarzinomen behandelt, der häufigsten Krebserkrankung bei Männern. Die sorgfältig registrierten Nebenwirkungen waren äußerst gering. Gefürchtete Folgen wie Blutungen aus dem Mastdarm oder chronische Veränderungen an der Harnblase oder Harnröhre blieben gänzlich aus. Aber auch Mastdarmtumoren sowie Hals-Nasen-Ohren-Tumoren und Lungentumoren können schonend behandelt werden. Die IMRT hat einen großen Fortschritt in der Krebstherapie gebracht, so Dr. Oehler.
Als ergänzende Therapie zusätzlich zur Bestrahlung hat sich z.B. beim Prostatakarzinom die adjuvante, also zusätzliche Hormontherapie mit sog. nichtsteroidalen Antiandrogenen bewährt. Sie kann im Anschluss an eine Bestrahlung bei lokal fortgeschrittenem Prostatakrebs (wenn der Krebs über die ihn umgebende Kapsel hinausgewachsen ist) das Rückfallrisiko senken und das Überleben verlängern. Die Patienten profitieren folglich mehrfach: von der schonenden Strahlentherapie, der längeren progressionsfreien Zeit und der Verlängerung der Lebenserwartung.
„Mit der Bewährung der IMRT können wir den Patienten den schweren Kampf gegen die Krankheit Krebs ein gutes Stück erleichtern“, erklärte Frau Professor Schipanski. Sie freue sich, dass mit Nordhausen eine Thüringer Klinik mit führend in dieser modernen Therapie sei und hoffe, dass viele weitere Kliniken künftig die IMRT anwenden.

Die Angst vor Röntgenstrahlen nehmen
Röntgenstrahlen durchdringen den menschlichen Körper und können auch Gewebe zerstören, beispielsweise Tumoren. Leider lassen sie sich weder durch elektrische noch durch magnetische Kräfte ablenken und treffen dadurch häufig in Tumornähe liegende gesunde, aber strahlenempfindliche Organe. Das führt zu bekannten Nebenwirkungen wie Hautrötung, Durchfall (Dünndarm), Brennen beim Wasserlassen (Harnblase) oder Sodbrennen (Speiseröhre).
Vor einigen Jahren ist es gelungen, dieses physikalische Gesetz zu umgehen. Dazu wird über den tumortragenden Körperbereich ein virtuelles Rasternetz gelegt. Tumortragende und tumorfreie "Planquadrate" liegen dabei unmittelbar nebeneinander. Eine bewegliche Viellamellenblende (in der Fachsprache "MLC" = Multi-Leaf-Kollimator) kann nun diese Planquadrate beliebig lange öffnen (Tumor) oder verschließen (gesunde Organe). Gleichzeitig steigt die Strahlenintensität über den tumortragenden Planquadraten stark an und erhöht hier die Strahlenwirkung auf den Tumor. Daraus leitet sich ihre Bezeichnung "Intensitätsmodulierte Strahlentherapie" (IMRT) ab.
Dieses Verfahren bedingt den Einsatz von Hochleistungsrechnern mit einer speziellen Software. Die für IMRT notwendige Datenmenge vergleichen IT-Experten mit der, wie sie für die Landung einer Weltraumfähre benötigt wird.
Neu am IMRT-Verfahren sind insbesondere folgende Punkte:
So titelte denn auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung in ihrer Ausgabe vom 29.03.2006 über das IMRT-Verfahren anlässlich des kürzlich stattgefundenen 27. Deutschen Krebskongresses in Berlin: "Strahlen wie Schwerter geführt: Die sanfte Zerstörung der Geschwulst".