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Neues aus dem Klinikum

Neues Laborsystem in Betrieb gegangen

Mittwoch, 16. Dezember 2020, 16:01 Uhr
DSX System (Foto: SHK) DSX System (Foto: SHK) Das Südharz Klinikum in Nordhausen ist in Thüringen eines der wenigen Krankenhäuser, das über ein eigenes Labor verfügt. "Das Vorhalten eigener Laborkapazitäten ermöglicht unserem Haus nicht nur eine schnelle Diagnostik, sondern garantiert eine hohe Qualität der Arbeit. Auch sind wir seit vielen Jahren ein verlässlicher Partner der niedergelassenen Ärzte der Region, sagt Klinik-Geschäftsführer Guido Hage.

Um diesem Anspruch auch in Zukunft gerecht zu werden, ist in den zurückliegenden Tagen das neue Laborsystem DSX des Herstellers DYNEX Technologies in Betrieb gegangen. Dieses bewältigt ein breites Spektrum an Laboruntersuchungen voll automatisiert. Damit kann unser Labor auch auf die ständig steigende Zahl der zu untersuchenden Proben reagieren, berichtet Heiko Saalbach, der Leiter der Medizintechnik im Nordhäuser Klinikum.
Mit dem neuen System wird die Stuhl-Untersuchung auf okkultes Blut zur Darmkrebs-Früherkennung durchgeführt. Sie gilt als die effektivste Laboruntersuchung in der gesamten Medizin überhaupt. Jahrzehntelang wurde ein sehr einfacher chemischer Test durchgeführt: Es gab kleine „Briefchen“ mit Feldern, auf die der Patient selbst an drei aufeinanderfolgenden Tagen etwas Stuhlprobe auftragen musste. Bei Vorhandensein von rotem Blutfarbstoff (Hämoglobin) im Stuhl erfolgte ein Farbumschlag, und der Test konnte vom Hausarzt ausgewertet werden. Allerdings hatte dieser Test auch einen Haken, denn er sprach auch auf Hämoglobin von Tieren an, weshalb man vor der Testung tagelang keine fleischliche Kost zu sich nehmen durfte. Dieser Mangel wurde durch die kassenärztliche Bundesvereinigung behoben. Es dürfen nur noch hochspezifische immunologische Teste (iFOBT = immunological fecal occult blood test) durchgeführt und abgerechnet werden, die ausschließlich menschliches Blut erfassen und keine Kreuzreaktionen mehr mit tierischem Hämoglobin aufweisen. Damit entfallen spezielle diätetische Anforderungen vor der Testung.
Weiterhin können einerseits weitere klinisch-chemische Teste auch auf dem neuen Automaten abgearbeitet werden:

1. Der Nachweis von Pankreas-Elastase. Wenn die Bauchspeicheldrüse nicht genügend davon produzieren und in den Darm abgeben kann, ist zu wenig davon im Stuhl vorhanden.

2. Der Nachweis von Calprotectin, der bei der Diagnostik einer ganzen Reihe chronisch entzündlicher Darmerkrankungen eine Rolle spielt, z. B. beim Morbus Crohn und der Colitis ulcerosa.

Andererseits gibt es eine ganze Menge mikrobiologischer Stuhl-Untersuchungen nämlich Teste auf bakterielle, virale und parasitäre Durchfall-Erreger, die als Serien-Enzymimmunteste wesentlich genauer und noch dazu deutlich preiswerter sind als manuelle Einzel-Schnellteste, die bisher durchgeführt wurden. Dazu gehören vor allem einige der in Deutschland und Thüringen am häufigsten vorkommenden viralen Brechdurchfall-Erreger wie
1. Noroviren, die sehr leicht übertragen werden können und daher hoch ansteckend sind,
2. Rotaviren, die vor allem bei sehr kleinen Kindern und sehr alten Menschen gefunden werden, und
3. Adenoviren, die besonders wegen ihrer Desinfektionsmittel-Resistenz gefürchtet sind.

Außerdem ist mit diesem Automaten die sogenannte Clostridium difficile assoziierte Diarrhoe (= CDAD) über den Nachweis der Toxine A und B in einer Stuhlprobe möglich. Diese kann nach einer heute oft erforderlichen Antibiotika-Therapie anderer Infektions-Krankheiten auftreten und bei rechtzeitiger Diagnose gut behandelt werden, erläutert Prof. Dr. med. Reinhard Kappe, der Leiter des Labors.